Verändertes Konzept für den Konfirmandenjahrgang 2013-2015

Gestern gab es ein Gespräch mit Aktiven der Lukasgemeinde, bei dem die von uns (dem KU-Team des demnächst startenden Jahrgangs) geplante Verlegung des Konfirmandenunterrichts vom Dienstag Nachmittag auf Samstag Vormittag diskutiert wurde. Der „klassische“ Konfirmandenunterricht (KU) findet „traditionell“ einmal wöchentlich für eine Stunde Dienstags statt. In den meisten Städten und Gemeinden ist dies auch mit Schulen abgesprochen, die für den betreffenden Jahrgang (der Konfis) den Dienstagnachmittag unterrichtsfrei halten.

In anderen Gemeinden ist diese Terminierung (monatlich Samstags) durchaus seit längerem bereits üblich, so ist es prinzipiell z.B. auch in den Konzeptbüchern von Kessler/Nolte so vorgeschlagen. Wir als Team haben in Warburg und rund um das Konficamp des Kirchenkreises Paderborn sowie aus Minden damit gute Erfahrungen gemacht.

Insofern hatte ich objektiv auch in Bezug auf das Gespräch keine großen Bedenken. Einige Knackpunkte der Argumentation waren uns zuvor durchaus bekannt:

Ängste

Da ist die Angst, der Stundenumfang in unserem Konzept sei geringer als im „alten“ Modell – was abzählbar nicht stimmt.

Da ist die Angst, Konfis verpassten zu viel, wenn sie einen Samstag fehlen, verglichen mit einem Fehltermin am Dienstag. Das ist auf den ersten Blick richtig, stimmt aber schon nicht mehr, wenn zwei Dienstagstermine (im 2-Stunden-Modell, vier Termine bei einer Stunde wöchentlich) verpasst werden. Und während der eine Dienstag schonmal „ja nicht so schlimm“ ist und als regelmäßiger Termin im Kalender steht, hat der ungefähr monatliche Samstagstermin mehr den Charakter eines nennenswerten, eigenständigen Einzeltermins. Wohlgemerkt: Das hat nichts mit inhaltlicher Wertung zu tun, sondern bezieht sich rein auf die Wahrnehmung im Terminkalender.

Spätestens gegenüber dem Modell mit einer Stunde pro Woche geht zudem weniger Zeit für Ankommen, Ruhigwerden und Schon-wieder-aufgeregt-sein drauf; denn die Jugendlichen unterhalten sich beim Ankommen nicht länger, nur weil sie danach länger zusammen sind. Nach etwa 10 Minuten sind die üblichen Infos meist ausgetauscht, die Begrüßung erledigt. Mehr muss nicht mehr unbedingt sein oder hat Zeit bis zur nächsten Pause, in der das nicht stört.

Der Unterricht

Den oben erwähnten „klassischen“ Unterricht mit wöchentlichen Terminen habe ich selbst nie erlebt. Als Konfi habe ich eine Mischung aus monatlichen Samstagen und 14-tägigen Doppelstunden mitgemacht, als Teamer ebenso.

Vergleichen kann ich vor allem die Doppelstunden mit den 4-fach-Stunden. Für den jetzt kurz vor der Konfirmation stehenden Jahrgang haben wir von den Expedition-Gottsuche-Einheiten einige zerteilen und viele Einzelabschnitte kürzen müssen.

Die Ergebnisse haben darunter, so vermute ich, gelitten. Vielleicht war die Gruppe natürlich auch einfach relativ unkreativ. Vielleicht sind deshalb in anderen Jahrgängen bei gleicher Themenstellung kreativere, aufwändigere, durchdachtere Ergebnisse herausgekommen. Aber ehrlich gesagt glaube ich das nicht.
Kreative und mentale Prozesse sind sich in vielerlei Hinsicht ähnlich. Das erneute Durchdenken, überarbeiten, verfeinern und manchmal auch verwerfen einer Idee gehört zu einem Reifungsprozess hin zu einem immer besseren Ergebnis, hin zu bewusster formulierten Gedanken, verfeinerteren Symboliken.
Eine Kreativeinheit, in der innerhalb von 45 Minuten ein Thema erarbeitet und als Gruppe umgesetzt werden muss, ist möglich. Zeit für Experimente und Fehlschläge bleibt dabei jedoch oft nicht.
Nicht, dass Konfis normalerweise bewusst erstmal experimentieren würden. Aber gezielte „Langeweile“ fördert das Nachdenken über das Getane und weckt den Wunsch, dabei gefundene Schwächen der Darstellung zu beheben oder weitere Ideen hinzuzufügen.

Dabei kommt es auch vor, dass trotzdem nicht mehr viel passiert. In diesem Fall lässt sich auch spontan mit einem Überblick über die Gesamtgruppe ein Programmpunkt abkürzen – oder andererseits auch verlängern, wenn die Konfis überwiegend noch ins Thema vertieft sind.

Gerade diese Flexibilität erfordert aber längere Termine. Bastelmaterial zehn Minuten später wegzuräumen und stattdessen einen bestimmten Aspekt des Plenums auf den nächsten Termin zu verschieben, zwei Lieder weniger zu singen oder ein Spiel weniger im Plenum zu spielen, ist meist kein Problem. Über Termingrenzen hinweg funktioniert das viel zu oft jedoch nicht. Aus einmal aufräumen wird zweimal aufräumen (denn das Gemeindehaus kann ja nicht die ganze Woche blockiert werden), und einmal raus aus dem Thema ist das Wieder-Eindenken ein oder zwei Wochen später extrem schwierig.

Das Sozialgefüge der Gruppe

Regelmäßige kurze Arbeitstreffen fördern, so ein Gegenargument in der Diskussion, die soziale Bindung in der Gruppe, das Kennenlernen ist einfacher, da ausreichend Kontinuität gegeben ist und die regelmäßigen Treffen zu einem dauerhaften Austausch führen.

Auf der anderen Seite ist aber gerade die längere ununterbrochene Beschäftigung mit dem Gegenüber, wie es in einer Kleingruppeneinheit von anderthalb Stunden Länge (mit Pause, die aber die Gruppe nicht zwingend auflöst) der Fall ist, zusätzliche Eigenheiten, die in kürzeren Einheiten nicht erreicht werden können.

Konflikte müssen eher gelöst werden, weil sie sonst direkt an dem einen Termin eskalieren, ohne dass eine deeskalierende Separation der gegnerischen Parteien das Konfliktpotential bis zur nächsten Woche dämpfen könnte. Dies kann mehr Stress bedeuten, für die Konfis wie für das Team. Es fördert jedoch auch die wichtige Fähigkeit, Konflikte zu lösen, anstatt ihnen auszuweichen, unter Anleitung eines nicht zuletzt christlich geprägten Teams, das eben nicht wie manche Elternhäuser, Cliquen oder Schulklassen auf das Recht des Stärkeren unter Einsatz aller Mittel pocht, sondern ein faires, tolerantes, nicht ignorantes Miteinander propagiert.

Trotzdem ist das Argument gültig: Kennenlernen kann man sich nur schlecht „einmal im Monat“. Deshalb sieht unser Plan vor, zwischen den Sommer- und Herbstferien mit dem Konfitreff eher spielerisch einzusteigen. In dieser ersten Phase wird nur am Rande inhaltlich gearbeitet; im Vordergrund steht das Kennenlernen; Inhalte werden diesem Ziel gleich- wenn nicht untergeordnet. So wird das Kennenlernen der Gemeinde (Gruppen, Aktive, Organisation etc) als Gemeindebrief-Rallye verpackt, das Thema Martin Luther zunächst als Filmabend mit Popcorn-Flair angegangen.

Die lokale Verankerung in der Gemeinde

Für mich sehr überraschend wurde das Argument der lokalen Verankerung des Konfiunterrichts aufgeworfen. Dies betrifft zwei völlig unterschiedliche Aspekte: Die Lokale Verankerung des Konfirmandenunterrichts (im Lukasbezirk) einerseits und die Problematik, mit anderen Bezirken (ich weigere mich, hier den Begriff Gemeinde zu nutzen) offen in Bereichen zu kooperieren, die zum Kernbereich der Gemeinde gehören.

Überraschend deshalb, weil ich – vielleicht dafür zu wenig im „normalen“ Gemeindeleben involviert – nie damit gerechnet hätte, dass es offensichtlich zumindest in einigen Köpfen einen Konkurrenzkampf der Gemeindebezirke innerhalb der Kirchengemeinde Paderborn gibt. Ob das normal ist? Ich weiß es nicht. Aber zumindest halte ich es nicht für förderlich.

Und es ist auch nicht „Programm“, denn im Bereich von Konzerten, Ausstellungen und anderen Veranstaltungen gibt es immer wieder Ankündigungen und Werbung auch für solche in anderen Bezirken, zum Beispiel im Gemeindebrief „unterwegs“ des Lukasbezirks.

Und doch wünschen sich jene  eigentlich (man kann nie alles machen, so ihre eigene Aussage) neben den Besuchen in Synagoge, Moschee und bei der Aidshilfe auch noch den beim Biobauern. Das inhaltliche Argument ist auch hier nicht falsch. Nachhaltigkeit und Bewahrung der Schöpfung sind wichtige Themen, genauso wie die Unterstützung von und der Kontakt mit (vermeintlich) schwächeren Mitmenschen.

Das Argument der lokalen Verankerung „…wenn wir diese Einrichtungen schon im Bezirk haben, sollte man diese Gelegenheit auch wahrnehmen“ halte ich jedoch für schwierig. Für Synagoge und Moschee gilt das Argument nicht (beide liegen im Markusbezirk). Außerdem sehe ich diese „Lokalität“ ansonsten nicht dokumentiert.

Klar: Die üblichen, oft vorkommenden Veranstaltungsorte, die im Gemeindebrief vorkommen, liegen im Lukasbezirk: Das Lukaszentrum, das Himmelszelt sowie das direkt benachbarte Gemeindezentrum auf der Lieth und die Kirche in Dahl. Aber wo fängt der Lukasbezirk an? Wo hört er auf? Ich weiß, ich könnte jemanden fragen; aber ich habe einfach erstmal gesucht, was ich so dazu finde, und; welch Wunder: nichts.

Oder: fast nichts. Abdinghof, Lukas, und  Matthäus geben außer den Standorten ihrer Kirchen und Gemeindezentren keine Ortsangaben über „ihr Gemeindeareal“ an. Martin-Luther (haben keine Webseite), Johannes (Webseite nicht erreichbar) geben online offensichtlich gar nichts von sich preis. Lediglich der Markus-Bezirk zeigt auf einer Karte (leider Google und dann auch noch lizenzwidrig rauskopiert), für welchen Bereich Paderborns er zuständig ist.

 

Was also soll die lokale Verankerung? Aktive (!) Gemeindeglieder kriegen das mit. Mit der Konfi-Radtour (oben nicht erwähnt) erfahren die Konfirmanden zumindest teilweise, welche Ortsteile außerhalb der Kernstadt Paderborn noch zum Lukasbezirk gehören. Darüber hinaus soll, so die bezirksinterne Regel, mindestens jeder zweite Pflicht-Gottesdienstbesuch der Konfirmanden im Lukaszentrum sein. Die Bindung an die Veranstaltungsorte der Gemeinde ist also bereits gesichert. Für eine nähere geographische Bindung an das, was irgendwo (noch weiß ich nicht, wo) als „der Lukasbezirk“ definiert ist, sehe ich jedoch keinen Grund. Konfis sind auf weiterführende Schulen in der ganzen Stadt verteilt, haben ihre Freunde nicht (nur) im Lukasbezirk, und auch wenn mancher sich das wünschen mag, spielt sich auch der Lebensmittelpunkt der Konfirmanden in den meisten Fällen nicht in der Kirchengemeinde ab.

Fazit

Angesichts schwindender Finanzmittel, Stellenstreichungen unter Pfarrern und Jugendreferenten, und damit aber unter Berücksichtigung des sozialen Auftrags auch über die offiziellen Gemeindeglieder hinaus halte ich Konkurrenzdenken zwischen Gemeindebezirken für Fehl am Platz.

Angesichts von in Teilen der Gesellschaft abnehmender Relevanz und abnehmender Attraktivität der Institution Kirche stellt sich die Frage, wie man diese Probleme angehen kann. Das Nonplusultra der KU-Modelle gibt es nicht; kann es nicht geben. Dafür ist die Bandbreite der Lebenssituationen von Konfis zu verschieden. Die Herausforderung besteht darin, durch Alternativen Konfis und potentiellen Konfis entgegenzukommen und gleichzeitig die bestmöglichen Erfahrungen „zu generieren“.

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